Die Backstreet Boys spielen zehn Abende in Düsseldorf
Residency statt Welttournee Wenn die Fans zu ihren Stars reisen müssen Stand: 25.09.2026 • 15:01 Uhr
Die Backstreet Boys spielen zehn Konzerte in Düsseldorf, Fans aus aller Welt reisen an. Warum immer mehr Stars auf Residencies setzen und was das für Fans, Städte und die Konzertbranche bedeutet.
Das Konzept scheint für die Backstreet Boys aufzugehen: Ursprünglich waren sechs Konzerte in Düsseldorf angekündigt, wegen der hohen Nachfrage kamen aber vier weitere Termine hinzu. Rund 450.000 Tickets wurden verkauft - es sind die einzigen Shows der Band in Europa in diesem Jahr. Unter dem Titel "Into the Millennium - Homecoming" kehrt die Boyband dabei zu ihren Anfängen zurück.
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Deutschland sei der erste Ort, der die Backstreet Boys überhaupt willkommen geheißen habe, sagt die Band. "Ihr habt erkannt, wer wir sind, noch bevor der Rest der Welt überhaupt wusste, dass es uns gibt. Dafür werden wir euch für immer dankbar sein," heißt es unter dem Video für die Tourankündigung.
Während die Backstreet Boys in den USA Mitte der 1990er-Jahre noch weitgehend unbekannt waren, brachten deutsche Fans den Song "I'll Never Break Your Heart" in die Top 10 der deutschen Charts. Heute kommen die Fans aus der ganzen Welt nach Deutschland, um die Band live zu sehen.
Maisa Pimenta kommt aus Brasilien mit einer Gruppe aus etwa 30 Fans nach Düsseldorf, um drei der zehn Konzerte zu erleben. Für das teuerste Ticket habe sie 499 Euro bezahlt - fast doppelt so viel wie der monatliche Mindestlohn in Brasilien.
Damit ist sie nicht allein. Sechs von zehn Fans reisen jährlich weltweit für ein Konzert, laut einer 2025 veröffentlichten Umfrage des Entertainment-Unternehmens Live Nation.
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In den Kommentaren unter dem YouTube-Video der Tourankündigung der Backstreet Boys sammeln sich jedoch auch enttäuschte Stimmen. "Also ignoriert ihr einfach den Rest Europas? Wie erbärmlich," heißt ein Kommentar.
Auch Harry Styles erntete für seine Residency der "Together, Together"-Tour Kritik. Für 30 Abende bespielt er den Madison Square Garden in New York, als einzigen Standort in den USA. Für viele Fans sind die Kosten für Ticket, Anreise und Aufenthalt ein Ausschlusskriterium.
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Laut Harry Styles profitiert die Qualität der Show von einem festen Standort. "Ich glaube, man kann etwas auf die Beine stellen, bei dem man nicht jeden Abend weiterreisen muss. Ich finde, die Show selbst ist dadurch besser," erklärt er im Podcast mit Zane Lowe. Die Residency ermögliche es ihm zudem, besser auf sich selbst zu achten, und gebe Bandmitgliedern mit Kindern die Möglichkeit, dabei zu sein.
"Für Künstler sind diese Reisestrapazen und die Mühen einer Tournee nicht unerheblich und wenn es möglich ist, dann an einem Standort mehrere Shows zu machen, ist das in jeder Hinsicht wesentlich einfacher für alle Beteiligten," bestätigt Michael Brill, Geschäftsführer von D.Live, dem Betreiber der Arena, in dem die Backstreet Boys in Düsseldorf gastieren.
In dieser Arena in Düsseldorf gibt die Boyband ihre Konzerte.
Auch beim Auf- und Abbau zeigt sich der Vorteil. In einem Fußballstadion wie der Merkur Spiel-Arena benötige man allein acht bis zwölf Tage, um den Fußballrasen für eine Konzertveranstaltung umzubauen und anschließend wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen, so Brill.
Die internationale Nachfrage spiegele sich auch in den Hotelbuchungen wider. Jens Ihsen, Geschäftsführer der Tourismusorganisation Visit Düsseldorf berichtet, die Hotels seien an den Veranstaltungstagen zu 95 Prozent ausgelastet.
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Das Prinzip, einen Act für längere Zeit an einem Ort auftreten zu lassen, ist nicht neu. Geprägt wurde das Konzept vor allem in Las Vegas. Schon in den 1950er-Jahren kam Frank Sinatra für längere Konzertreihen in die Glücksspielmetropole.
Gemeinsam mit seinem "Rat Pack" trat er regelmäßig im Hotel Sands auf. 1969 feierte Elvis Presley sein Comeback in Las Vegas und spielt dort über sieben Jahre mehr als 600 ausverkaufte Shows.
Jahrzehnte später machen auch Adele und Shakira die Residency zum festen Bestandteil des Popgeschäfts. Für Adeles zehn Konzerte in München 2024 wurde eine eigene Pop-Up Arena errichtet. Auch Shakira beendet ihre Tour im September in Madrid mit zwölf Shows in einem nur dafür gebauten Stadion.
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Bei temporären Konzertorten sei es wichtig auch über das Thema Nachnutzung zu sprechen, sagt Sarah Lüngen, Gründerin von The Changency. Ihr Unternehmen entwickelt nachhaltige Konzepte für Festivals und untersucht die Klimabilanz von Live-Konzerten, unter anderem für die Bands Seeed, die Ärzte oder AnnenMayKantereit.
Bei einer Tournee entstehen laut Lüngen vor allem in den Bereichen Mobilität, Energie und Ernährung Emissionen. Vor allem die Publikumsmobilität sei ausschlaggebend. "60 bis 90 Prozent der Emissionen einer Tournee entstehen durch die Anreise der Fans und natürlich sind diese Emissionen bei einer Residency sehr viel höher," erklärt Lüngen. Beim Backstreet Boys Konzert werden laut Arena-Betreiber Brill Fans aus etwa 50 Ländern erwartet.
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Ob das Konzept langfristig die klassische Welttournee ersetzt, ist eine Frage, die die Konzertbranche zunehmend beschäftigt. Für Nachhaltigkeitsmanagerin Lüngen ist die Antwort eindeutig: "Eigentlich braucht kein Act eine Residency."
Für kleine Bühnen könne die Entwicklung Folgen haben, sagt Michael Herberger, Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg. Wenn die Ticketpreise für solche Großveranstaltungen weiter stiegen, bleibe den Fans möglicherweise weniger Geld für kleinere Clubkonzerte und andere Live-Veranstaltungen.
Herberger rechnet aber auch künftig noch mit Tourneen. "Die Fans müssen in Gänze bespielt werden. Ich glaube, wir werden in Zukunft beides haben."
Dieses Thema im Programm: WDR | Westart | 24.09.2026 | 14:00 Uhr

