Die neue Kölner Oper eröffnet - nach 14 Jahren Bauzeit und Milliardenkosten
Die neue Kölner Oper Vom Milliardendesaster zur "Bühne für alle"? Stand: 18.09.2026 • 16:17 Uhr
14 Jahre Bauchaos, bis zu 1,5 Milliarden Euro Kosten: Die Sanierung der Kölner Oper gilt als eines der größten kommunalen Bau-Desaster. Jetzt wird wieder gespielt - und die Stadt fordert eine "Bühne für alle". Kann das gelingen?
"Ich baue keine Oper, sondern ein Haus für alle", soll Architekt Wilhelm Riphahn über die Kölner Oper gesagt haben. Ein demokratisches Kulturhaus für die Stadt - das war der Anspruch. Rund 50 Jahre später war das Haus marode, musste saniert werden - und damit begann eine sehr teure, 14 Jahre andauernde Tragödie. Jetzt beginnt mit Richard Strauss’ "Rosenkavalier" am 27. September die erste Saison nach Wiedereröffnung am Offenbachplatz.
Bei der Sanierung hat sich die Stadt nicht mit Ruhm bekleckert und viele Jahre lang mit der Skandalbaustelle bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. "Köln hat sich lächerlich gemacht", sagt Frank Deja von der Initiative "Köln kann auch anders" im WDR-Interview. Auch wenn er mit dem abschließenden Ergebnis jetzt sehr zufrieden sei.
Die Initiative "Köln kann auch anders" hatte 2010 mehr als 50.000 Unterschriften aus der Kölner Bürgerschaft gesammelt, um das Ensemble aus denkmalgeschützter Oper und Schauspiel zu erhalten - und sich damit gegen den von der Stadt geplanten teilweisen Neubau ausgesprochen.
Die reinen Baukosten belaufen sich abschließend auf etwa 800 Millionen Euro. Der Betrieb der Interimsspielstätten und Zinszahlungen ergeben dann die noch einmal deutlich höhere Gesamtsumme von etwa 1,5 Milliarden Euro.
Warten auf die ersten Besucher: Das neue Foyer der Oper Köln.
Es liegt auf der Hand, dass vielerorts Vergleiche zwischen der Sanierung der Oper Köln und dem Bau der Elbphilharmonie in Hamburg gezogen werden. Beide haben über viele Jahre mit explodierenden Kosten und gerissenen Zeitplänen von sich reden gemacht.
Mit den Schwierigkeiten am Bau hören die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon auf: So unterschiedlich die Architektur der beiden Bauten ist, so unterschiedlich ist auch die Bedeutung für die Stadt. Anders als die Elbphilharmonie dürfte die Kölner Oper selbst kaum zur touristischen Landmarke werden. Entscheidend wird vielmehr sein, ob mit der Eröffnung auch am Rhein die jahrelange Debatte über Kosten und Bau-Chaos langsam in den Hintergrund tritt. Und die Frage, ob die Oper eine Bühne für alle werden kann, entscheidet sich nicht nur am Gebäude, sondern auch am Programm.
Bei der Sanierung der Oper hat sich die Stadt nicht mit Ruhm bekleckert: Die Baustelle sorgte viele Jahre lang bundesweit für negative Schlagzeilen.
Der regierende Oberbürgermeister der Stadt Köln, Torsten Burmester (SPD), fordert im WDR-Interview, dass als Konsequenz der hohen Baukosten die Bühnen Köln Angebote an ein breites Publikum machen müssen. "Es muss eine Oper sein, beziehungsweise eine Bühne, ein Schauspiel, eine Kinderoper, ein Kleines Haus, das für die Kölnerinnen und Kölner da ist - und nicht nur für einen kleinen Abonnentenkreis."
Da ist wieder das vielbeschworene Schlagwort der "Oper für alle". Zur Eröffnung an diesem Wochenende veranstaltet die Stadt auf dem Offenbachplatz ein großes Fest, das am Sonntag als Hauptact die populäre kölsche Band Kasalla beschließt. Inwiefern sich die offenen Foyers dann als Ort für die Kölner Öffentlichkeit etablieren, bleibt abzuwarten. Von den Zuschauerrängen ganz zu schweigen.
Bei aller Feierfreude, für die das Rheinland eh bekannt ist, müssen noch ein wenig die Scherben der Baukatastrophe zusammengekehrt werden. "Es war eine planerische Fehlleistung, darüber müssen wir nicht diskutieren", sagt OB Burmester im WDR. Das sieht auch Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler NRW so: "Diese Kulturmittel hätten in Museumsprojekte, den Tanz oder die freie Szene fließen können."
Neben dem erwähnten Rosenkavalier steht in dieser Spielzeit als nächste große Premiere “Hoffmanns Erzählungen” des Namensgebers für den Offenbachplatz, Jacques Offenbach, auf dem Programm. Es handelt sich um eine sehr erfolgreiche Produktion, die bereits bei den Bregenzer Festspielen bei Kritik und Publikum für Begeisterung gesorgt hat.
Der Niederländer Hein Mulders ist seit 2022 Intendant der Oper Köln. Er steht aber nicht nur dafür, Erfolgsproduktionen einzuladen. "Ich stehe auch für Uraufführungen. Jedes Jahr haben wir wenigstens eine. Zeitgenössische Musik ist sehr wichtig, weil Oper eine lebendige Kunst sein muss." Außerdem sei er großer Barockliebhaber - schließlich umfasst die Barockoper einen erheblichen Teil der Operngeschichte.
Volles Haus zu erwarten? Eine Kölner Befragung ergab 2018, dass nur jeder Fünfte mindestens einmal im Jahr in die Oper geht. Zwei Drittel gehen nie.
Das Schlagwort der "Oper für alle", das viele in Köln im Mund führen, klingt bei Mulders leicht anders. "Große Oper für ein großes Publikum." Und anders als in der Interimsspielstätte könne Köln nun auch bei internationalen Koproduktionen unter vergleichbaren Bedingungen arbeiten und "in der internationalen Liga mitspielen".
Während die Oper zum Neustart auf klassisches Repertoire setzt, versucht das Schauspiel unter Intendant Kay Voges offensiver, neue Zielgruppen anzusprechen. Etwa durch den programmatischen und mit EU-Mitteln geförderten Schwerpunkt, Theater und Journalismus zu verbinden.
Kann all das die Dramen um die Sanierung in den Hintergrund drängen? Der Kölner Stadtkonservator Thomas Werner hofft, dass irgendwann nicht mehr über Kosten, sondern über Architektur geredet wird. "Durchkomponiert, gestalterisch erste Qualität - das wird man irgendwann sehr zu schätzen wissen."
Fakt bleibt: Die Meisten werden das Kölner Opernhaus nur von außen sehen. Eine Kölner Befragung ergab 2018, dass nur jeder Fünfte mindestens einmal im Jahr in die Oper geht. Zwei Drittel gehen nie. Ob die neue, alte Oper jetzt auch Menschen neugierig macht, die bislang nicht zum Publikum gehören, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen. Mal schauen, wie viel von Riphahns "Haus für alle" tatsächlich Wirklichkeit wird.
Dieses Thema im Programm: WDR | Lokalzeit Köln | 14.09.26 | 19:30 Uhr
