Freude über Grönland-Abkommen - doch etwas Skepsis bleibt
Sicherheitsvereinbarung mit den USA Freude über Grönland-Abkommen - und etwas Skepsis Stand: 23.09.2026 • 07:57 Uhr
Lange wussten die Grönländer nicht, wie der Streit mit den USA um die Arktisinsel ausgehen wird. Jetzt gibt es ein Abkommen und die Erleichterung ist groß. Doch gibt US-Präsident Trump wirklich Ruhe?
Normalerweise konzentriert sich die Grönländerin Mia Kemnitz auf Mützen und andere Produkte aus der Wolle des arktischen Moschusochsen, die sie in ihrem kleinen Laden in der Hauptstadt Nuuk herstellt. Doch am Dienstagmittag grönländischer Zeit standen für sie die Livebilder aus New York im Vordergrund.
"Ich wollte erst nicht glauben, dass es wirklich passiert und wir einen guten Deal haben", sagte Kemnitz. Im Laufe des Tages sei sie immer unruhiger geworden, bis das Abkommen dann unterzeichnet wurde. "Ich habe wirklich den Atem angehalten."
Endlich eine Einigung, vorbei die Zeit der Drohungen von Donald Trump, Grönland zu kaufen oder mit militärischer Stärke zu übernehmen.
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Troels Lund Poulsen war bis Juni dänischer Verteidigungsminister. Als im Januar die komplexen Gespräche zwischen Grönland, Dänemark und den USA begannen, war er von Beginn an mit dabei. "Am Anfang dieser Verhandlungsrunde wusste niemand, wie sie enden würde. Es war ja klar, dass die Verhandlungsführer auf amerikanischer Seite das Abkommen letztendlich Donald Trump vorlegen müssen", sagt er.
Und der US-Präsident unterschrieb am Ende. Laut dem Abkommen werden die USA ihre bestehende Militärbasis ausbauen und zwei weitere Militärstützpunkte auf der Arktisinsel errichten. Investitionen von Nicht-NATO-Staaten und Nicht-EU-Staaten sind in Zukunft in Grönland nur noch begrenzt möglich.
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Von einer US-Übernahme Grönlands ist aber keine Rede mehr. Im Gegenteil: Das neue Abkommen garantiert die Souveränität des Königreichs Dänemark und das Selbstbestimmungsrecht Grönlands. Regierungschef Jens-Frederik Nielsen zog sich nach der Unterzeichnung um und zeigte sich in New York im festlichen, grönländischen Anorak. "Wir stehen hier mit einem Abkommen und ich bin damit zufrieden. Meine roten Linien wurden nicht überschritten", sagte er.
Diesen Punkt hob auch Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hervor. Sie sprach von einer Stärkung der gesamten europäischen und transatlantischen Sicherheit.
Der dänische Diplomat und Schriftsteller Bo Lidegaard beschäftigt sich seit Langem mit der Sicherheitsfrage Grönlands. Im dänischen Rundfunk wurde er gefragt, welche Folgen der Deal für die knapp 60.000 Menschen haben wird, die auf der größten Insel der Welt leben. "Ich glaube nicht, dass sich dadurch in der praktischen Realität in Grönland etwas ändern wird. Abgesehen von der enormen Erleichterung darüber, dass das Recht der Grönländer auf Selbstbestimmung mit der Unterschrift des Präsidenten nun auch von den USA bestätigt wurde."
Das neue Abkommen gilt für immer, so wie von Trump behauptet. Es gibt kein Ablaufdatum, keine Vertragspartei kann alleine kündigen.
Und trotz allem bleibt die Skepsis. Zumindest bei Mia Kemnitz in ihrem kleinen Laden in Nuuk. "Aktuell fühle ich nur Erleichterung. Ich weiß, dass alles passieren kann, wenn Trump spätabends vielleicht wieder anfängt, irgendetwas zu twittern. Aber ich weiß, dass der Deal gut aussieht und dass Grönland und Dänemark beide dahinterstehen. Alles andere liegt nicht in unserer Macht."
Dieses Thema im Programm: BR24 Radio | Nachrichten | 23.09.2026 | 06:08 Uhr
