Marokkos König ernennt erstmals eine Frau zur Ministerpräsidentin
Ministerpräsidentin ernannt Erstmals eine Frau an Marokkos Regierungsspitze Stand: 29.09.2026 • 21:11 Uhr
Als Favorit galt der populäre Chef des Königlichen Fußballverbandes. Doch Marokkos König ernannte eine Frau zur Regierungschefin - erstmals in der Geschichte des Landes: die bisheriger Wohnungsbauministerin El Mansouri.
In Marokko ist Fatima Ezzahra El Mansouri zur Regierungschefin ernannt worden. Als erste Frau des Landes hat sie nun das Amt der Premierministerin inne und wurde von König Mohammed VI. mit der Regierungsbildung beauftragt.
El Mansouris Partei für Authentizität und Modernität (PAM) war bei der Parlamentswahl vor einer Woche stärkste Kraft geworden. Die 50-jährige Politikerin setzte sich nun gegen ihren Parteifreund Fouzi Lekjaa durch. Der populäre Chef des Königlichen Fußballverbandes hatte nach dem PAM-Sieg bei der Wahl als Favorit für das Amt des Regierungschefs gegolten.
Aber schon vor El Mansouris Ernennung hatten sich viele Bürgerinnen und Bürger für eine Frau als Regierungschefin ausgesprochen. Aus konservativen religiösen Kreisen kommt dagegen Kritik: Es sei unklar, wie eine Frau an den religiösen Zeremonien des Königs teilnehmen könne. Marokko ist ein mehrheitlich muslimisches Land.
Marokko wählt ein neues Parlament, doch auch danach bleibt ein erheblicher Teil der Macht beim König. mehr
Die Juristin El Mansouri war 2009 bereits die erste Bürgermeisterin in ihrer Geburtsstadt Marrakesch. Seit zwei Jahren gehört sie zur Führungsspitze der PAM, in der scheidenden Regierung diente sie als Wohnungsbauministerin.
Bei der Parlamentswahl am 23. September gaben nur 38 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Dabei sicherte sich die PAM 97 Sitze, gefolgt von ihren bisherigen Koalitionspartnern, der Nationalen Unabhängigkeitsversammlung (RNI) mit 66 und der Istiqlal mit 65 Mandaten.
Gemäß der Verfassung ernennt der König den Regierungschef aus den Reihen der stärksten Fraktion im Repräsentantenhaus. König Mohammed VI. behält in der konstitutionellen Monarchie aber weit reichende Befugnisse, insbesondere in der Außen- und Verteidigungspolitik.
El Mansouri muss nun eine Koalitionsregierung bilden. Obwohl die PAM im Wahlkampf eine weitere Zusammenarbeit mit der RNI ausgeschlossen hatte, zeigte sich El Mansouri zuletzt kompromissbereit: Es gebe bei den Verhandlungen keine roten Linien.
Nur etwa die Hälfte aller Wahlberechtigten stimmte ab. Stärkste Kraft wurde die Koalitionspartei PAM. mehr
Die neue Regierung steht dann vor großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Sie muss die letzten Phasen der 20 Milliarden Dollar teuren Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 überwachen, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet.
Zudem ist Unzufriedenheit unter Jugendlichen weit verbreitet. Das hatte sich zuletzt im Juli in einem massenhaften Andrang auf die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta sowie in tödlichen Protesten entladen. El Mansouri hatte im Wahlkampf versprochen, den jungen Leuten in Marokko "wieder Hoffnung zu geben".
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Marokko: Erstmals eine Frau an der Regierungsspitze | 29.09.2026 | 19:37 Uhr


