Mehr Staatsmann und weniger Konfrontation
Kommentar Trump vor der UN-Vollversammlung Mehr Staatsmann und weniger Konfrontation Stand: 23.09.2026 • 00:44 Uhr
US-Präsident Trump hat sich bei der UN-Vollversammlung ungewohnt diszipliniert präsentiert. Doch hinter dem Kurswechsel stecken vor allem innenpolitischer Druck und die Suche nach einem Ausweg.
Welch ein Kontrast zu Trumps Rede im vergangenen Jahr! Ohne Teleprompter schimpfte der US-Präsident damals über die Vereinten Nationen und andere im Saal anwesende Staaten. Diesmal las Trump seine Rede erstaunlich diszipliniert vom Teleprompter ab und er bedankte sich sogar zwei Mal ausdrücklich beim UN-Sicherheitsrat.
Der vor einem Jahr drohende Ausstieg der USA aus den Vereinten Nationen ist endgültig vom Tisch. Auch weil Trump den Auftritt auf der Bühne der Weltöffentlichkeit mit goldenem Hintergrund genießt.
Vielleicht aber hat er auch erkannt, dass selbst eine militärische Supermacht wie Amerika Konflikte wie die in Gaza oder in der Straße von Hormus nicht im Alleingang lösen kann. Vermutlich ist ihm klar geworden, dass sein als Alternative zur UN konzipierter Friedensrat im Nahen Osten nicht wirklich vorankommt. Und mit Sicherheit bereut es Trump, dass er sich von Israel in einen Krieg gegen Iran verwickeln ließ.
Vor den Vereinten Nationen gibt sich Trump zuversichtlich, die Kriege gegen Iran und in der Ukraine bald zu beenden. mehr
Die diesmal nur knapp 40 Minuten lange Rede enthielt immer noch genügend Aussagen, über die man nur den Kopf schütteln kann. Sein Selbstlob als Friedensstifter, der bereits acht Kriege beendet hat. Das Zitieren von Lobeshymnen, die ihm ausländische Staatschefs geschrieben haben. Sein Selbstbild, er sei der einzig Mutige, der handelt, während alle anderen nur reden. Wie auch seine Polemik gegen Leute, die Künstliche Intelligenz regulieren wollen: Für ihn sind das die gleichen Leute, die den - Zitat Trump - "Schwindel" über Klimawandel verbreiten.
Dass Trump diesmal staatsmännischer auftrat, hat vor allem innenpolitische Gründe. Kurz vor den Kongresswahlen im November sind die Umfragewerte für ihn und die Republikaner miserabel. Mehr als 70 Prozent der US-Bürger lehnen Trumps Außenpolitik ab. Vor allem die ständigen Attacken auf Amerikas Verbündete und die chaotische Zollpolitik kommen schlecht an. Noch stärker ist die Ablehnung des Kriegs gegen Iran und der Ärger über die deutlich gestiegenen Benzin- und Energiepreise.
Deshalb wollte Trump die Bühne der Vereinten Nationen nutzen, um die US-Bürger nicht weiter zu verunsichern: mehr Staatsmann und weniger Disruption. Der für ihn gesichtswahrende Kompromiss im Streit um Grönland kam da gerade zur rechten Zeit. Dankbar lobte Trump Dänemark, Grönland und die NATO, obwohl sich der neue Deal nicht so sehr vom bisherigen Abkommen unterscheidet.
Immer wieder hatte US-Präsident Trump seinen vermeintlichen Anspruch auf Grönland bekundet. mehr
Auch beim Iran-Krieg gilt: Trumps Vernichtungsdrohungen gegen das Regime in Teheran klingen zwar schockierend. Aber sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der US-Präsident verzweifelt einen Ausweg aus der Sackgasse sucht, in die er sich und sein Land hineinmanövriert hat. Die vielen Gespräche am Rande der UN-Vollversammlung können dazu beitragen.
Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesschau | 22.09.2026 | 20:00 Uhr

