Nach Protestwelle: Deutsche Welle behält griechischen Dienst doch
Nach Protestwelle Deutsche Welle behält griechischen Dienst doch Stand: 21.09.2026 • 04:22 Uhr
Sie ist nur eine kleine Redaktion, doch die Entscheidung, den griechischen Dienst der Deutschen Welle zu schließen, wurde zum Politikum. Die breite Kritik aus Griechenland überraschte den Rundfunkrat offenbar. Nun kam die Kehrtwende.
Für sie ist es das Ende eines langen, anstrengenden Kampfes: Dimitra Kyranoudi leitet die Griechisch-Redaktion der Deutschen Welle in Berlin und Bonn. "Nach fast neun Monaten Unsicherheit können wir endlich aufatmen und unsere Arbeit fortsetzen. Trotz aller Probleme haben unsere Kolleginnen und Kollegen bei DW Griechisch niemals aufgegeben", sagt sie.
Erst im Februar hatte die Deutsche Welle das Aus für ihren griechischen Dienst verkündet, aus Spargründen. Täglich berichten die Journalisten für ein griechisches Publikum in TV, Radio, auf der Webseite und auf Social Media. Griechisch war die einzige der 32 Sprachen, auf denen gesendet wird, die komplett wegfallen sollte.
Die Deutsche Welle muss sparen. Die Reaktionen auf die Streichung des griechischsprachigen Programms sind kritisch. mehr
Jetzt die Kehrtwende: Wie die Deutsche Welle bestätigte, beschloss der Rundfunkrat, das griechischsprachige Angebot doch fortzuführen, ab dem kommenden Jahr allerdings in reduzierter Form.
"Das ist vielleicht für ein deutsches Publikum kein großes Thema, aber hier in Griechenland ist das eine ganz große Nummer, weil die Deutsche Welle hier mit sehr viel historischer Erinnerung, auch viel Emotionen verbunden ist", erklärt Reinold Meinardus, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Athener Thinktank Eliamep. Von 1993 bis 1996 leitete er - damals noch in Köln - die griechische Redaktion der Deutschen Welle.
Noch heute sei die Deutsche Welle in Griechenland so etwas wie ein Mythos, eine Legende. Und bis heute sei der Dienst eine wichtige Säule der deutsch-griechischen Beziehungen, vergleichbar mit dem Goethe-Institut oder den deutschen Schulen, meint Meinardus.
Auch Kyriakos Mitsotakis, Griechenlands Regierungschef, hatte sich für den Erhalt des griechischsprachigen Programms der Deutschen Welle eingesetzt.
Wie viele andere Deutsche, aber vor allem Griechen, setzte auch er sich dafür ein, die Redaktion doch noch zu retten. Er spricht von einer deutsch-griechischen Kampagne der Zivilgesellschaft, die öffentlich Druck auf die Bundesregierung ausgeübt habe.
"Und zu guter letzt hat selbst der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis - das muss man sich mal vorstellen, wir reden hier über ein Einsparvolumen von 600.000 Euro im Jahr - griechischen Medienberichten zufolge zweimal beim Herrn Bundeskanzler angerufen und sich dort vorstellig gemacht", so Meinardus.
Karl Jüsten, Vorsitzender des Rundfunkrats der Deutschen Welle, berichtet im Gespräch mit der ARD von Rückmeldungen aus breiten Teilen der griechischen Bevölkerung, aus Kultur, Politik und Medien. Das habe auch den Rundfunkrat beeindruckt.
"Die Menschen in Griechenland hat offenkundig bewegt, dass aus Deutschland heraus eine wichtige Stimme für Demokratie und Menschenrechte da ist, dass es eine Stimme ist, die europäische Politik erklärt, die vor allen Dingen auch erklärt, warum wir in Deutschland diese oder jene Entscheidung politisch, kulturell, wirtschaftlich treffen", sagt Jüsten.
Gleichzeitig betont er, die Deutsche Welle müsse weiterhin sparen. Wie der Sender mitteilt, sind künftig jährlich rund 400.000 Euro für die Griechenland-Redaktion vorgesehen. In diesem Jahr seien es 700.000 gewesen. Die Deutsche Welle wird anders als etwa ARD oder ZDF nicht durch den Rundfunkbeitrag finanziert, sondern vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Für Redaktionsleiterin Dimitra Kyranoudi ist aber auch ein Teilerfolg ein Erfolg. Sie spricht von einem historischen Tag nach vielen schlaflosen Nächten. Und davon, wie Politiker aus Griechenland, Zypern und Deutschland, Journalistenverbände, die Kirche und andere Organisationen sich für sie einsetzten.
"Diese Unterstützung zeigt, dass freier Journalismus auch in kleineren Sprachen wie Griechisch einen unverzichtbaren Wert hat", so Kyranoudi. Es schaffe Verständnis, baue Brücken - "und stärkt am Ende unsere Demokratie".
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Nach Protestwelle: Deutsche Welle stellt griechischen Dienst doch nicht ein | 21.09.2026 | 00:41 Uhr

