Russlands Satellitenpläne: Bundeswehr warnt vor Putins Starlink-Alternative
Exklusiv Russlands Satellitenpläne Bundeswehr warnt vor Putins Starlink-Alternative Stand: 16.09.2026 • 09:54 Uhr
Russland will mit Rassvet eine Alternative zu Starlink schaffen. In einem vertraulichen Bericht, der WDR und NDR vorliegt, warnt die Bundeswehr vor einem Erfolg des Projekts aus militärischer Sicht - und zweifelt gleichzeitig am Zeitplan.
Der Gegner, so sagte der russische Soldat, versorge seine Truppen an der Front in der Ukraine mit Drohnen. Sie brächten Munition, Ausrüstung und Lebensmittel. Gesteuert würden sie über das US-amerikanische Satellitensystem Starlink. Ob Russland auch solche Transportflüge durchführen könne, fragte er Präsident Wladimir Putin vor einigen Wochen in einer Fragerunde im russischen Fernsehen.
"Ja, das ist möglich", versicherte Putin. "2023 haben wir unsere ersten Satelliten ins Weltall gebracht, die in der Lage sind, das zu machen, was Sie beschreiben." Sie seien bereits in der Umlaufbahn. "Und 2024 und 2025 wurde weiter daran gearbeitet." Russland baue seine eigenen Satellitenkonstellationen im "Low Earth Orbit" (LEO) aus. Die beauftragte Firma sei "Starlink keinesfalls unterlegen", so Putin. "Ich hoffe, Sie werden das am Boden bald spüren."
Russlands Machthaber verkündet, seine Streitkräfte könnten bald schon auf eine russische Alternative zu Starlink setzen. Bislang ist es ein entscheidender Kriegsvorteil der Ukraine, auf Tausende Satelliten zugreifen zu können. Dadurch können Drohnen und andere Waffen zielgenau eingesetzt werden.
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In der Bundeswehr hat man sich das neue russische Satellitenprojekt angesehen - und ist, was zumindest den kurzfristigen Erfolg des Projekts angeht, deutlich skeptischer als der russische Machthaber. Das von Putin hochgelobte System "Rassvet" (zu Deutsch: Morgendämmerung) werde vermutlich erst in einigen Jahren umfassend einsatzbereit sein, wenn überhaupt. Gleichzeitig warnt die Bundeswehr aber auch vor dem Fall, dass Putins Pläne letztlich doch erfolgreich umgesetzt werden könnten. Das geht aus einer vertraulichen Analyse des Militärs hervor, die WDR und NDR vorliegt.
In dieser Bewertung heißt es, dass Russland "frühestens Ende 2027" nach der angestrebten Inbetriebnahme des Systems Rassvet-3 mit 288 Satelliten aufgrund der geringen Satellitenanzahl "sehr wahrscheinlich nur eine bedingte Einsatzbereitschaft erreichen" werde.
Zukünftig soll die Satellitenanzahl nach russischen Angaben von 730 im Jahr 2030 auf 900 im Jahr 2035 steigen. Zum Vergleich: Starlink verfügt schon jetzt über mehr als 10.000 Satelliten. Die Bundeswehr ist sich daher sicher: Rassvet werde im Vergleich mit Starlink "nahezu sicher nicht dessen Leistungsfähigkeit" erreichen.
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In Russland ist das Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen Bureau 1.440 mit dem Aufbau des Satelliten-Internetnetzes Rassvet beauftragt worden. Die Firma wurde vor einigen Jahren gegründet. Der Name ist eine Anlehnung an die 1440 Erdumrundungen des ersten sowjetischen Satelliten Sputnik-1. Mit dem Projekt möchte Russland eine eigene, unabhängige satellitenbasierte Internetinfrastruktur, eine sogenannte "Mega-Konstellation", schaffen, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden kann.
Russland steht dabei unter Zugzwang. Im Krieg gegen die Ukraine hatte das russische Militär zunächst selbst das Starlink-Netzwerk genutzt, bis das Unternehmen des US-Milliardärs Elon Musk im Februar dieses Jahres den Zugang blockierte. Laut US-Militär und Geheimdiensten bedeutete das eine entscheidende Schwächung und trug im Frühjahr zum Erfolg einer ukrainischen Offensive bei.
Die russischen Pläne sehen deshalb vor, dass die Rassvet-Kapazitäten in der ersten Aufbauphase ausschließlich militärisch genutzt werden sollen. Genau in einer solchen Fokussierung sieht die Bundeswehr die größte Gefahr. Bei einer "ausschließlich militärischen Nutzung sowie einer Regulierung der Nutzeranzahl werden die russischen Streitkräfte" nach der Inbetriebnahme "erstmals eine eigene Fähigkeit zur Steuerung von unbemannten Systemen in Echtzeit" erlangen. Beabsichtigt sei eine "dauerhaft verfügbare weltweite Abdeckungsgewährleistung".
Laut Politico lief der Aufbau in den vergangenen Monaten zunächst schneller als angekündigt. Offenbar kann Russland mit dieser geringen Anzahl bereits heute in kurzen Zeitfenstern über den Tag Waffen in der Ukraine steuern.
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Sollten die russischen Ausbaupläne umfassend gelingen, warnt die Bundeswehr jedoch in ihrem Papier ausdrücklich vor einem künftigen militärischen Nutzen: "Während des kompletten Einsatzzeitraumes" würde das Militär damit Veränderungen am Boden wie etwa Truppenbewegungen "augenblicklich" erkennen und könnte "flexibel reagieren". Wahrscheinlich seien mithilfe der Technik eine "verbesserte Treffgenauigkeit" sowie "ein vermehrter Einsatz gegen mobile Angriffsziele" zu erwarten.
Allerdings nennt die Bundeswehr auch konkrete Hürden, die sie für die russischen Ausbaupläne sieht: Der "ambitionierte Zeitplan" werde "ganz wesentlich" von der "Produktionskapazität der Satelliten, der Verfügbarkeit der Trägersysteme" sowie der Dauer des Krieges in der Ukraine bestimmt.
Deutsche Militärs zeigten sich gegenüber WDR und NDR daher äußerst skeptisch, was die Ankündigungen des Kremls angeht. Hinterfragt werden vor allem die technische Leistungsfähigkeit der Komponenten sowie die Kapazitäten für den Transport der Satelliten ins All.
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Im Jahr 2023 wurden die ersten drei Testsatelliten mit der Mission Rassvet-1 ins Weltall gebracht. 2024 folgten dann mit Rassvet-2 weitere Satelliten, im März dieses Jahres starteten vom Weltraumbahnhof Plessezk im Nordwesten Russlands Sojuz-Raketen und brachten eine erste Charge Rassvet-Satelliten in die niedrige Erdumlaufbahn in rund 500 Kilometern Höhe - eine weitere folgte später im Jahr. Mittlerweile sollen somit mehr als 30 Rassvet-3-Satelliten im Weltraum sein.
Allerdings sollen mehrere der Satelliten mittlerweile abgestürzt oder ausgefallen sein, heißt es in mehreren Medienberichten unter Berufung auf öffentlich verfügbare Trackingdaten. So soll von den 16 Rassvet-Satelliten, die im Juli starteten, bis Ende August keiner eine ausreichende Höhe erreicht haben.
Hinzu kommt, dass die Ukraine nach eigenen Angaben gegen die Rassvet-Pläne vorgehen will. Mitte August gab es bereits einen ukrainischen Angriff auf ein russisches Raketenzentrum, in dem die Trägerraketen der Rassvet-Satelliten hergestellt werden. Bleiben die Satelliten aber am Boden, wird Putins Traum vom russischen Starlink definitiv zerplatzen.
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Podcast 11KM | 16.09.2026 | 06:00 Uhr


