Stichwahl nötig: Brasilien rückt weiter nach rechts
Präsidentschaftswahl Brasilien rückt weiter nach rechts Stand: 05.10.2026 • 07:41 Uhr
Bolsonaro oder Lula? Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien gehen beide Kandidaten in eine Stichwahl. Der Sohn des Ex-Präsidenten gilt als Favorit. Er profitiert von Unzufriedenheit über hohe Lebenshaltungskosten und Kriminalität.
Trommeln und Sprechchöre auf der Praça São Salvador in Rio de Janeiro - dort, wo die in Rot gekleideten Anhänger von Lula da Silva traditionell die Auszählung verfolgen. Doch zu feiern gibt es eigentlich nichts. Das Ergebnis sieht nicht gut aus für den amtierenden Präsidenten: Er holte in der ersten Runde weniger Stimmen als erwartet und vor allem weniger als Herausforderer Flávio Bolsonaro.
"Mann, das ist echt schwierig", sagt der Brasilianer Mauricio Rizzo. "Flávio Bolsonaro darf auf keinen Fall zurückkehren, er würde seinen Vater begnadigen, die Institutionen unterwerfen. Dieses Bolsonaro-Gesindel darf niemals wieder an die Macht kommen."
Auch Simone Lourenco zeigt sich entmutigt angesichts des Wahlergebnisses: "Meine Sorge ist: Selbst wenn Lula in der Stichwahl gewinnt - der Kongress, also die Abgeordneten und Senatoren, ist noch weiter nach rechts gerückt."
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Kehrt 2027 mit ein Bolsonaro an die Macht zurück? Das entscheidet sich in drei Wochen in einer Stichwahl. Flávio Bolsonaro, der älteste Sohn des wegen eines Putschversuches verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, zieht als klarer Favorit in die Stichwahl.
Amtsinhaber Lula da Silva versuchte, Gelassenheit zu signalisieren, als er kurz nach 21 Uhr Ortszeit vor die Kameras trat. "Das Ergebnis ist oft unerwartet: Man bekommt nie alles, was man sich gewünscht hat." Er sei eigentlich überzeugt davon gewesen, dass er die Wahl im ersten Durchgang gewinnen würde. Nun beginne ein neuer Wahlkampf, so Lula.
Doch es war ein Diskurs vor einer Kulisse von Verlierern. Denn hinter ihm applaudierten sichtlich geknickte Politikerinnen und Politiker, die ihre Wahlen mehrheitlich schon verloren hatten. Sowohl im Senat als auch im Abgeordnetenhaus und bei Gouverneursposten holte sich Bolsonaros liberale Partei bei dieser Abstimmung breite Mehrheiten. Mit Michelle, Carlos und Jair Renan Bolsonaro sind darunter auch noch weitere Familienmitglieder.
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Brasilien ist bereits weiter nach rechts gerückt. Dementsprechend selbstbewusst trat Flavio Bolsonaro in Brasília vor die Presse - inmitten einer Menschentraube auf der Straße - per Livestream. "Das ist das Ende der Ära der linken Arbeiterpartei, es ist besiegelt." Von den Linken bleibe als Vermächtnis lediglich "ein Rekord an ermordeten Frauen, an verschuldeten Brasilianern, an hohen Steuern, an Hoffnungslosigkeit".
Obwohl die Wirtschaft Brasiliens wächst, steigen auch die Lebenshaltungskosten. Acht von zehn Brasilianern sind heute überschuldet. Es war ein zentrales Thema im Wahlkampf - genauso wie die steigende Kriminalität.
"Ich bin Kleinunternehmerin und ich leide unter der Linken", sagt Viviane Oliveira. "Das Volk ist aufgewacht und und bereit zum Kampf: Wir werden die Geschichte unseres Landes verändern."
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In jedem Fall hat sich Flávio Bolsonaro - der Sohn Nummer eins, wie ihn der Vater nennt - als starker Kandidat konsolidiert, obwohl ihm noch vor wenigen Monaten wenig Charisma bescheinigt wurde.
Bisher gilt in Brasilien die Regel: Wer in der ersten Runde vorne lag, gewinnt auch die Stichwahl. Mit einem Erfolg Bolsonaros würde auch Lateinamerikas größte Demokratie und Volkswirtschaft nach rechts rücken - und sich dem Block der Trump-Verbündeten in der Region anschließen, die zuletzt von Argentinien bis Kolumbien die Wahlen gewonnen haben.
Dieses Thema im Programm: BR24 Radio | Nachrichten | 05.10.2026 | 06:08 UhrDas Erste | tagesschau | 05.10.2026 | 07:30 Uhr

