Streckensanierung Berlin-Hannover wird aufwendiger - und teurer
Bahnstrecke Berlin-Hannover Sanierung dauert deutlich länger - und wird teurer Stand: 05.10.2026 • 11:15 Uhr
Fast 1,5 Stunden länger brauchen nun Züge zwischen Hannover und Berlin. Und die Generalsanierung soll mehr als ein Jahr dauern - wesentlich länger als noch vor kurzem angekündigt. Das führt zu Protesten.
Es sollte alles so reibungslos gehen. Zehn Monate Sperrung der Schnellfahrstrecke zwischen Lehrte bei Hannover und Berlin. Aber, und das war der Clou dabei, der Verkehr sollte einfach über die parallel verlaufende "Lehrter Stammbahn" geleitet werden - was Einschränkungen für Fahrgäste minimiert hätte.
Daraus wird nun nichts. Erstens wird die Verbindung Lehrte-Berlin 14 Monate lang bis Ende Dezember 2027 gesperrt, also vier Monate länger als ursprünglich geplant. Und - womöglich noch gravierender: Der Verkehr kann nicht über die "Lehrter Stammbahn" geleitet werden, weil die Deutsche Bahn es nicht vermocht hat, diese rechtzeitig zu elektrifizieren.
Beginn der Bauarbeiten an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hannover Tino Nowitzki, NDR , tagesschau, Das Erste, 02.10.2026 • 20:00 Uhr "Zu optimistisch geplant" Zwei Hauptgründe nennt die Bahn für das Versäumnis. "Zum einen wurde, das gehört zur Wahrheit dazu, zu optimistisch geplant", drückt es eine DB-Sprecherin aus. Außerdem seien Planfeststellungsbeschlüsse später als erwartet erteilt worden.
Und so führt die Umleitung nun 14 Monate lang über Braunschweig-Helmstedt-Magdeburg-Brandenburg. Aus normalerweise gut anderthalb Stunden Fahrtzeit werden planmäßig fast drei. Die Bahn nennt das "die verlässlichste Option, die uns zur Verfügung steht".
Die kommenden Monate wird die Strecke Köln, Wuppertal und Hagen saniert. Auch zwischen Regensburg und Nürnberg wird gebaut mehr
"Katastrophale Verhältnisse" nennt es hingegen der Fahrgastverband Pro Bahn. Und es gibt weitere Kritiker. So hat sich im Brandenburger Landkreis Havelland - etwa auf halber Strecke zwischen Hannover und Berlin gelegen - gar ein Bündnis aus Landrat, Amtsdirektoren und Bürgermeistern zusammengefunden, um gegen die Baumaßnahmen zu protestieren.
Eine Sperrung der Trasse "über einen Zeitraum von 14 Monaten muss unter allen Umständen verhindert werden!", heißt es in einem Brief, den die Kommunalpolitiker an die Deutsche Bahn, den Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und den Verkehrsminister des Landes Brandenburg Robert Crumbach geschickt haben. Im Havelland sollen aufgrund der Bauarbeiten auch Regionalzüge ausfallen.
Vier große Sanierungen pro Jahr - wie bislang angestrebt - seien zuviel. mehr
Die Region war gerade erst von einer anderen Generalsanierung der Deutschen Bahn betroffen: der Ertüchtigung der Strecke Berlin-Hamburg zwischen August 2025 und Juni 2026. Die teils chaotischen Zustände im Schienenersatzverkehr hier hatten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - sowie für jede Menge Unmut im Landkreis. Und dieser Unmut ist ganz aktuell noch einmal größer geworden.
Denn erneut soll die Region wieder nur per Schienenersatzverkehr (SEV) angeschlossen bleiben. "Wir haben 4.000 Menschen, die einpendeln, 4.000 Menschen, die auspendeln", rechnet Jörg Zietemann vor, parteiloser Bürgermeister der 25.000-Einwohner-Stadt Rathenow. Und das sind nur die Zahlen für Rathenow. Die Fahrzeit für die Pendler hier verdoppele sich durch den SEV.
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Dorit Stawecki, parteilose Amtsdirektorin der Gemeinde Rhinow hat auch eine Rechnung mitgebracht. Eine Stunde sei jetzt die Fahrzeit mit dem Zug nach Berlin - durchaus noch attraktiv also für Pendler. Mit dem SEV "wären es dann zwei Stunden - eine Strecke". Vier Stunden also reine Fahrzeit pro Tag. Und das 14 Monate lang.
Landrat Roger Lewandowski (CDU) sorgt sich gar um die Attraktivität des Standorts Havelland. Ein Beispiel sei das Krankenhaus in Rathenow. "Wir haben alleine aus Berlin 40 Einpendlerinnen und Einpendler - Ärzte, Pflegepersonal". Er hoffe jetzt, dass diese bleiben "und nicht sich umgucken und woanders hingehen".
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Und es gibt weitere schlechte Nachrichten für die Bahn - und die Steuerzahler: Bislang lag die Kostenschätzung für das Projekt Lehrte-Berlin bei rund 1,3 Milliarden Euro. Diese Zahl ist nun wohl hinfällig, allein schon da die Ausweichroute über die Lehrter Stammbahn später elektrifiziert wird. Das treibt die Kosten für die eigentlich als vorbereitende Maßnahme gedachte Elektrifizierung der Strecke.
Zudem sollen die Bauarbeiten auf der Schnellstrecke nun ja länger dauern, was die Kosten dort weiter treiben dürfte. Wie teuer Lehrte-Berlin wirklich wird, dürfte erst nach Abschluss des Projekts feststehen.
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Bereits abgeschlossene Generalsanierungen auf anderen Strecken blieben in der Vergangenheit nicht im Kostenrahmen. Die Pilotstrecke auf der Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim schlug laut Bahn mit rund 1,5 Milliarden Euro zu Buche, rund dem Dreifachen der ursprünglich veranschlagten Summe. Die Generalsanierung Berlin-Hamburg kostete 2,7 statt 2,2 Milliarden Euro, wie das Bundesverkehrsministerium einräumte.
Ob der neue Zeitplan sich als haltbar erweist, bleibt ebenfalls abzuwarten. Die Bahn erklärt, "das gesamte Projektteam arbeitet nun auf das Ziel hin, die Maßnahmen planmäßig bis Ende 2027 abzuschließen". Dafür sei das Unternehmen "heute gut aufgestellt". Was wohl auch heißt: Morgen kann das schon wieder anders aussehen.
Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesschau | 02.10.2026 | 20:00 Uhr

