"Swan Song": Warum ein Buch über Prinzessin Diana für Furore sorgt
"Swan Song" erschienen Warum ein Buch über Prinzessin Diana für Furore sorgt Stand: 22.09.2026 • 13:00 Uhr
Charles Spencer, der Bruder von Lady Di, hat ein Buch über seine Schwester geschrieben. Darin erhebt er schwere Vorwürfe gegen den heutigen König, die der Palast ungewöhnlich deutlich zurückweist.
Das Buch von Earl Charles Spencer war noch nicht einmal veröffentlicht, da war der erste Skandal schon da. Die ersten Auszüge aus "Swan Song - meine Schwester Diana" erschienen knapp eine Woche vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin in der britischen Daily Mail - und die haben es in sich.
Charles Spencer, Bruder von Prinzessin Diana, beschreibt darin die Zeit nach dem Tod seiner Schwester im September 1997. In einem Telefonat, das er mit dem damaligen Prinz Charles führte, sei es darum gegangen, ob seine beiden Neffen hinter dem Sarg ihrer Mutter herlaufen sollen. Der Vater Charles sei dafür gewesen, Dianas Bruder dagegen.
Dann soll das Telefonat eskaliert sein, schreibt Spencer in seinem Buch. Prinz Charles sei ausgerastet, habe sich darüber ausgelassen, dass der Familie Spencer das Pflichtgefühl fehle. Dann sei der damalige Thronfolger plötzlich ganz ruhig geworden und habe nur wütend gesagt: "Wir werden sie schon bald vergessen."
Charles Spencer, Bruder von Prinzessin Diana, hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. "Swan Song" ist das erste über seine Schwester.
Auch fast 30 Jahre nach Dianas Tod sorgen diese Worte immer noch für Aufruhr in Großbritannien. Diana ist für viele Menschen immer noch "The People’s Princess", also die Prinzessin des Volkes. Serien wie "The Crown" und verschiedene biografische Filme haben sie in den vergangenen Jahren wieder populär gemacht.
Auch deshalb dauerte es keine 90 Minuten, bis der Palast ein Statement zu Earl Spencers ersten Vorwürfen veröffentlichte. Der König wisse, hieß es darin, dass die Trauer eines Bruders auch nach so vielen Jahren noch die Vernunft, das Urteilsvermögen und auch die Erinnerungen trüben könne. Heißt im Klartext: Charles Spencer lügt.
Prinz William, Charles Spencer, Prinz Harry und Prinz Charles (von links nach rechts) stehen hinter dem Sarg von Prinzessin Diana auf dem Weg zur Trauerfeier in der Londoner Westminster Abtei. (Archivbild vom 06.09.1997)
Ein solches Statement vom Königshaus ist eine Seltenheit. Normalerweise gilt bei allen Büchern, Veröffentlichungen und Vorwürfen die Regel: "Never explain, never complain" - nichts erklären, nie beschweren. Dass jetzt so schnell und scharf reagiert wird, zeigt vor allem eins: Das Thema Diana ist im Königshaus immer noch ein wunder Punkt.
Zudem kommen die Vorwürfe für das Königshaus in einem Jahr, das ohnehin von Skandalen geprägt war: Die Festnahme von Prinz Andrew, der dramatische Streit zwischen Harry und seiner Familie, die Rückkehr der Sussexes nach Großbritannien.
"Diese Vorwürfe gegen den König sind unglaublich schädigend", sagt Königshausexpertin Emily Nash. "Sie sollen an ihm zehren, während er auf dem Thron sitzt, während er sich einer Krebsbehandlung unterzieht. Es wirkt sehr kalkuliert."
Der damalige Prinz Charles und Prinzessin Diana wenden sich bei einem Theaterbesuch den Rücken zu. (Archivbild vom 07.09.1992)
Denn Charles Spencer geht noch weiter: In einem anderen Telefonat habe der damalige Prince of Wales ausgelassen und erleichtert geklungen, als er vom Tod von Diana gehört habe. Was bedeuten würde, der heutige König habe sich darüber gefreut, dass seine Ex-Frau tot ist.
Kritiker hinterfragen, ob Charles Spencer da nicht ein bisschen viel interpretiert. Der bleibt dabei: "Ich berichte jedes Detail in diesem Buch genauso, wie ich es gesehen und erlebt habe zu der Zeit. Ich war überrascht, wie ausgelassen er klang. Das gebe ich hier wieder."
Charles Spencer ist Historiker. Er sagt, er gebe als Zeitzeuge wieder, wie er Diana erlebt habe. Denn im Buch geht es nicht nur um ihren Tod, sondern auch um ihr Leben und ihr Wirken. Trotzdem: Dass die ersten Auszüge nun vor allem ihren Tod und die Tage danach thematisieren, wirke komisch, so Emily Nash: "Es ist erstaunlich, dass Charles Spencer sich so viele Jahre später dazu entschieden hat, diese Details zu veröffentlichen." Der Erinnerung an seine Schwester werde er damit allerdings nicht gerecht, findet die Königshausexpertin.
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Inwiefern das Buch ein komplett neues Licht auf Diana und ihr Leben wirft, ist umstritten. Einige nennen das Buch bahnbrechend, andere sehen darin einen Versuch von Charles Spencer, vom Tod seiner Schwester zu profitieren. Er selber meint, er habe nun alles gesagt, was es zu sagen gibt - auch wenn er noch mehr Geschichten erzählen könnte, sagt er. Die hätten aber nichts in der Öffentlichkeit zu suchen.
Klar ist aber: Charles Spencer wird nicht der Letzte sein, der seine Sicht auf Diana in den kommenden Monaten teilen wird. Im August 2027 jährt sich ihr Todestag zum 30. Mal, viele ihrer früheren gemeinnützigen Organisationen planen Gedenkveranstaltungen, auch Prinz Harry soll an einer Dokumentation über seine Mutter arbeiten. "Da wird noch viel ausgegraben werden", meint Expertin Emily Nash. "Wir werden mehr über die Affären hören, über die Kassetten, die sie heimlich aufgenommen hat. Das wird ein schweres Jahr für den König."
Der Palast hüllt sich nach dem ersten scharfen Statement zu Charles Spencers Buch vorerst wieder in Schweigen - und rüstet sich vermutlich für alles weitere, was im kommenden Jahr auf das Königshaus zukommt.
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Nachrichten | 22.09.2026 | 05:48 Uhr

