Ukraine-Krieg im Liveticker: +++ 15:00 Leichen in Bürogebäude: Drei Tote bei russischem Drohnenangriff auf Kiew +++
Laut einem Bericht der Zeitung "Kyiv Independent" befindet sich die ukrainische Stahlindustrie angesichts verstärkter russischer Angriffe in einer existenzbedrohenden Krise. Die größte ukrainische Stahlfirma, ArcelorMittal Kryvyi Rih, habe heute erklärt, sie könne die Stahlproduktion angesichts einer Welle russischer Angriffe auf Fabriken nicht wieder aufnehmen. Seit dem Sommer führt Moskau eine breit angelegte Kampagne von Angriffen auf die ukrainische Wirtschaft, um wichtige Industriezentren lahmzulegen. Die Metallurgiebranche, die im vergangenen Jahr sieben Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachte und Zehntausende Menschen beschäftigt, ist dem Bericht zufolge seit August von mindestens neun separaten Raketenangriffen betroffen gewesen. Die jüngsten Angriffe hätten die Stahlhersteller vermutlich fast 100 Millionen Dollar gekostet, sagte Oleksandr Kalenkov, Präsident von Ukrmetallurgprom, einer ukrainischen Stahlvereinigung, der Zeitung. Dies sei das schlechteste Jahr für den Sektor seit 2022, als russische Streitkräfte die Werke Azovstal und Illich in Mariupol besetzten und zerstörten und damit 40 Prozent der ukrainischen Stahlproduktion auslöschten. Der angeschlagene Sektor benötige mehr internationale Unterstützung, um seinen völligen Zusammenbruch zu verhindern, heißt es. Bei den Angriffen führt Russland laut "Kyiv Independent" gezielte Schläge aus, die kritische Anlagen wie Hochöfen beschädigen und es den ukrainischen Stahlherstellern unmöglich machen, Roheisen - einen Schlüsselrohstoff für die Stahlproduktion - zu erzeugen. Metinvest, Interpipe und ArcelorMittal Kryvyi Rih - die drei größten Stahlunternehmen der Ukraine - haben die Stahlproduktion eingestellt.
+++ 19:00 Menschen kurz vor dem Tod? Europarat warnt vor humanitärer Krise in russisch besetzter Stadt +++
Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, äußert sich besorgt über die Lage in der russisch-kontrollierten ukrainischen Stadt Oleschky. "Zivilisten, darunter Kinder, sind ohne ausreichende Nahrung, Medikamente, medizinische Versorgung, fließendes Wasser oder Strom eingeschlossen", sagt O'Flaherty. Es gebe Berichte darüber, dass für diese Menschen ein hohes Sterberisiko bestehe. "Nach dem humanitären Völkerrecht hat Russland als Besatzungsmacht die Pflicht, Nahrungsmittel und medizinische Mittel bereitzustellen und humanitäre Hilfe zu ermöglichen", so der Menschenrechtskommissar. "Ich fordere einen sofortigen lokalen Waffenstillstand, ungehinderten humanitären Zugang und die sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung. Das Elend und das Leiden der Menschen an den Frontlinien des Krieges und in den besetzten Gebieten verlangen internationale Aufmerksamkeit und Maßnahmen." Der Kreml hatte zuletzt kritische Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in Oleschky eingeräumt. Das russische Militär arbeite an einer Lösung, teilte die Regierung in Moskau mit. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf den russischen Truppen dagegen vor, humanitäre Hilfe zu blockieren und nicht auf Evakuierungsanfragen zu reagieren. In der Stadt im Gebiet Cherson "sterben 6000 Einwohner, darunter 200 Kinder, an Hunger und Kälte", sagte er in einem Video auf Facebook.
Eine russische Drohne hat offenbar während der Hauptgeschäftszeit ein Geschäftszentrum in der ukrainischen Hauptstadt Kiew getroffen. Der Ukraine-Korrespondent der "Financial Times", Christopher Miller, schreibt auf X, dass er mit schockierten Augenzeugen vor dem getroffenen Gebäude stehe, während Feuerwehrleute versuchten, die Flammen zu löschen, die das Dach erfasst hätten. Zuvor waren bereits durch Einschläge russischer Drohnen unter anderem in einem Bürogebäude mindestens sechs Menschen in Kiew getötet worden. Moskau hat zuletzt vermehrt Rechenzentren und Telekommunikationseinrichtungen in der Hauptstadt der Ukraine angegriffen. Mehrere Internetanbieter informierten über kurzzeitige Probleme. Seit Wochen attackiert das russische Militär auch tagsüber Ziele in Kiew mit Drohnen und Raketen.
Russland kann einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bei einer Waffenruhe mit der Ukraine schnell bis zu 80 Prozent der Kapazität seiner Getreideterminals wieder in Betrieb nehmen. Drei Terminals mit rund 20 Prozent der Kapazität im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer sind jedoch schwer beschädigt. Ihre Reparatur könnte Monate dauern. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bemüht sich um eine Wiederaufnahme des durch gegenseitige Angriffe zum Erliegen gekommenen Handels. Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge sind auch Indien und Ägypten beteiligt. Russland ist der weltgrößte Weizenexporteur. Die Unterbrechung der Lieferungen treibt die weltweiten Getreidepreise in die Höhe.
Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Zusammenarbeit mit der neuen ungarischen Regierung auch militärisch ausbauen. Er nennt bei einem Treffen mit seinem neuen ungarischen Amtskollegen Romulusz Ruszin-Szendi in Budapest militärische Logistik, rüstungsindustrielle Kooperationen und Ausbildung als Felder einer vertieften Zusammenarbeit. "Berlin und Budapest wachsen politisch wieder enger zusammen", sagt der SPD-Politiker. Und: "Es ist ein Neustart der Beziehungen unserer Länder, und das wiederum ist eine exzellente Nachricht für unsere Länder, für die Völker, aber auch für das gesamte Nato-Bündnis und die Europäische Union." Unter der als russlandfreundlich geltenden früheren Regierung von Viktor Orban war Ungarn in der EU und der Nato ein teils sperriger Partner. Nun wurde ein Kurswechsel vollzogen.
Die Mitgliedstaaten der EU haben sich nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas über die Verwendung von 6,6 Milliarden Euro aus dem Ukraine-Waffenfonds Europäische Friedensfazilität (EFF) verständigt. Eine Milliarde Euro soll in die gemeinsame Beschaffung weiterer Ausrüstung für die Ukraine fließen, erklärt Kallas. 900 Millionen Euro sind demnach für die EU-Ausbildungsmission (Eumam) ukrainischer Soldaten bestimmt, die übrigen 4,7 Milliarden Euro gehen an die Mitgliedstaaten zurück. Die EFF wurde eingerichtet, um EU-Staaten teilweise für Waffen zu entschädigen, die diese an die Ukraine geliefert haben. Ungarn hatte unter der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban jahrelang die Auszahlung des Geldes blockiert. Nach dem Regierungswechsel in Budapest im Frühjahr hob sein Nachfolger Peter Magyar diese Blockade auf. Seitdem verhandelten die 27 EU-Länder darüber, was mit dem Geld geschehen soll. Kallas hatte im Juni empfohlen, einen Teil des Geldes für die Finanzierung neuer Waffen für die Ukraine zu verwenden und legte einen entsprechenden Vorschlag vor. Am Freitag erklärte sie, einige Länder hätten bereits zugesagt, ihren Teil des Geldes an die Ukraine weiterzuleiten. Die Einigung bedeute "gute Nachrichten für die Ukraine und schlechte Nachrichten für Russland", schreibt Kallas.
Ein Dreiertreffen zwischen den USA, Russland und der Ukraine könnte russischen Angaben zufolge bald stattfinden. Es gebe dazu jedoch noch keine Einzelheiten, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte erklärt, dass ein solches Treffen auf technischer Ebene in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden könnte. Peskow teilt zudem mit, dass der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitrijew Gespräche in den USA geführt habe. Dabei sei es vorwiegend um wirtschaftliche Themen gegangen. Dmitrijew traf sich am 24. September mit den US-Vertretern Steve Witkoff und Jared Kushner, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagt.
Für eine verbale Breitseite gegen Markus Frohnmaier von der AfD hat der Grünen-Abgeordnete Robin Wagener im Bundestag einen Ordnungsruf kassiert. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (ebenfalls Grüne) sagte, Wagener habe den AfD-Abgeordneten am Donnerstag in der Debatte zu einem AfD-Antrag mit dem Titel "Keine EU-Mitgliedschaft und keine militärischen Beistandsgarantien für die Ukraine" als "Moskau-Minion der AfD" bezeichnet und ihm vorgeworfen, er habe "wieder pflichtbewusst das Memo aus dem Kreml" vorgetragen. Die Bezeichnung "Moskau-Minion" sei "eindeutig herabsetzend", begründete Nouripour den Ordnungsruf. Die Minions sind kleine gelbe, pillenförmige Fantasiewesen aus einem US-Animationsfilm. Sie dienen dort dem Bösewicht Gru. Der englische Begriff "Minion" bezeichnet einen "Handlanger", "Diener" oder "Untertan". Frohnmaier unterhält seit Jahren Kontakte nach Moskau und nahm im Juni in Sankt Petersburg an einem Forum unter Schirmherrschaft von Präsident Wladimir Putin teil. Er weist Vorwürfe einer Kremlnähe zurück. Frohnmaier versteht seine Russlandkontakte nach eigener Darstellung als Diplomatie, während Kritiker ihm vorwerfen, russische Interessen zu vertreten.
Durch Einschläge russischer Drohnen unter anderem in einem Bürogebäude in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach Behördenangaben mindestens sechs Menschen getötet worden. Rund zwei Dutzend seien verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko auf der Plattform Telegram mit. Drei der Leichen wurden demnach auf einem Parkplatz vor dem Bürohaus gefunden. Ein Brand sei gelöscht worden. Später bestätigte der IT-Dienstleister Datagroup Schäden an einem Gebäude des Unternehmens. Mitarbeiter seien nicht verletzt worden. Die Dienste liefen über eine Reserveinfrastruktur weiter, Kundendaten seien gesichert. Bereits an den Vortagen wurden Datenzentren mit Drohnen angegriffen. Mehrere Internetanbieter informierten über kurzzeitige Probleme. Seit Wochen attackiert das russische Militär auch tagsüber Ziele in Kiew mit Drohnen und Raketen.
Das ukrainische Haushaltsloch von umgerechnet über 23 Milliarden Euro gefährdet laut Präsident Wolodymyr Selenskyj die Finanzierung von kriegswichtigen Drohnenkäufen. "Wenn wir sie nicht im Oktober und November bestellen und bezahlen, dann werden wir ernsthafte Probleme im Januar und Februar haben", sagt der Staatschef zu Journalisten in Kiew.
Etwas mehr als ein Drittel der Finanzierungslücke betreffe Drohnenkäufe für die ersten drei Monate 2027. Selenskyj rief dabei die Europäische Kommission auf, die nächsten Zahlungen aus einem im April bereitgestellten Kredit über 90 Milliarden Euro schneller zu überweisen. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit massiver westlicher Unterstützung gegen eine großangelegte russische Invasion. Mit weitreichenden Drohnen attackiert das ukrainische Militär immer wieder vor allem Anlagen der russischen Ölindustrie, um Russland die Finanzierung des Krieges zu erschweren.
Die Gespräche zur Wiederherstellung des Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in vollem Gange. Beteiligt seien auch Indien, die Türkei und Ägypten, sagt Selenskyj vor Journalisten. Er habe dazu separate Gespräche mit den Staats- und Regierungsspitzen dieser Staaten sowie weiterer Länder des Nahen Ostens geführt. Zudem gebe es Vorschläge anderer Nationen zur Beendigung der Blockade.
Die USA haben der Ukraine zufolge ein Dreiertreffen mit Russland in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorgeschlagen. Dabei sollen die Parteien über Wege zur Beendigung des viereinhalbjährigen Konflikts beraten, sagt Selenskyj vor Journalisten. Die US-Seite habe ein Treffen auf technischer Ebene in diesem Dreierformat angeregt. Die Ukraine warte nun auf einen Terminvorschlag aus Washington, während die USA die Emirate als möglichen Veranstaltungsort ins Spiel gebracht hätten.
Britische Unternehmen dürfen zukünftig Daten von ukrainischen Schlachtfeldern für die Entwicklung neuer KI-Modelle für Drohnenschwärme nutzen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Premierminister Andy Burnham und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ermöglicht den Zugriff auf eine Datenbank mit Bildern und Videos von unbemannten Flugsystemen, teilt die britische Regierung mit. Die Datenbank enthält demnach mehr als sechs Millionen erfasste Objekte wie Panzer, Artillerie und Luftabwehrsysteme. Drohnenschwärme agieren mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) autonom, wobei laut Regierungsangaben stets Menschen in die Einsätze eingebunden sind. Bis zu zwölf britische Firmen können sich um den Zugang bewerben.
Die USA gewähren der Ukraine nach Angaben von Staatschef Wolodymyr Selenskyj die Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine. US-Präsident Donald Trump habe ihm bei ihrem Treffen am Dienstag in New York gesagt, dass seine Entscheidung feststehe und die Ukraine die Lizenzen erhalten werde, sagt Selenskyj in einer Sprachnachricht an Journalisten. Trump hatte Anfang Juli angekündigt, die USA würden der Ukraine "das Recht geben, Patriots herzustellen". Später äußerte er sich jedoch deutlich zurückhaltender. Das Patriot-System spielt eine zentrale Rolle beim Schutz ukrainischer Städte und Infrastruktur insbesondere vor ballistischen Raketen aus Russland. Der Ukraine mangelt es sowohl an Patriot-Systemen als auch an Abfangraketen.

