Wahlarena Berlin: Zwischen Schlagabtausch und Sondierungsgesprächen

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Wenige Tage vor der Berlin-Wahl haben sich sechs Spitzenkandidaten in der Wahlarena den Fragen der Zuschauer gestellt. Dabei wurden teils deutliche Unterschiede deutlich, an denen Gespräche nach der Wahl scheitern könnten.

Wahlarena in Berlin Zwischen Schlagabtausch und Sondierungsgesprächen Stand: 17.09.2026 • 11:09 Uhr

Wenige Tage vor der Berlin-Wahl haben sich sechs Spitzenkandidaten in der Wahlarena den Fragen der Zuschauer gestellt. Dabei wurden teils deutliche Unterschiede deutlich, an denen Gespräche nach der Wahl scheitern könnten.

Wenn Erfolg bei der rbb24 Wahlarena allein in Koalitionsangeboten gemessen würde, stünde der Sieger eindeutig fest: Werner Graf. Denn am Ende einer teils hitzigen Debatte hatte der Spitzenkandidat der Berliner Grünen gleich zwei davon eingesammelt. "Mit Werner Graf würde ich ganz gerne koalieren", sagte Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp. "Mit Werner Graf wäre das eine sehr gute Zusammenarbeit", betonte auch SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach. Und Graf nahm beide Angebote gerne an: "Für Berlin wäre es super, eine progressive Regierung zu haben", so der 46-Jährige.

Was allerdings mitnichten heißt, dass eine rot-grün-rote Regierung nach dem 20. September bereits so gut wie ausgemacht ist: SPD und Linke offenbarten nämlich auch teils deutliche Unterschiede, an denen diese Konstellation in Koalitionsverhandlungen scheitern könnte. Denn Krach blieb dabei, dass er die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen ablehnt - und lieferte die wohl erinnerungswürdigste Aussage des Abends, als er Eralp als "Friedrich Merz des Berliner Wahlkampfs" bezeichnete, weil die Linken-Politikerin aus seiner Sicht "allen alles verspreche". Stattdessen brauche es mehr Kontrolle und die Verfolgung rechtswidriger Mieten, so Krach.

Und hier machte CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers deutlich, dass das sicherheitspolitische Mantra seiner Partei auch auf dem Wohnungsmarkt anwendbar sei. "Law und Order gehören im Mietrecht genauso dazu", so Evers. Und der amtierende Finanz- und Kultursenator griff auch gleich noch den Vorschlag der Grünen auf, leerstehende Bürogebäude in Wohnraum umzuwandeln. "Da habe ich überhaupt nichts gegen, das halte ich sogar für sinnvoll." Ob er allerdings auch mithelfen würde, auf Bundesebene den von Grünen und SPD geforderten Mietendeckel für Berlin zu erkämpfen, ließ Evers offen. An diesem Punkt könnte es also bei möglichen schwarz-grün-roten Verhandlung über eine Kenia-Koalition schwierig werden.

Für Kristin Brinker von der AfD spielten solche Überlegungen schon vor der rbb24 Wahlarena keine Rolle: Ihre Partei findet in der Berliner Politik derzeit keine Koalitionspartner. Sie selbst würde mit allen sprechen, die "Berlin im Herzen tragen", so die 54-Jährige. Ihr Versuch, zumindest in der Verkehrspolitik eine Gemeinsamkeit mit Evers zu finden, indem sie die von der CDU favorisierte Magnetschwebebahn ins Gespräch brachte, versandete.

Evers ging nicht darauf ein und betonte zum Schluss der Sendung, er werde "auf gar keinen Fall mit Radikalen zusammenarbeiten". Was aus Evers' Sicht auch die Linken einschließt, denen er im Wahlkampf immer wieder Antisemitismus vorgeworfen hat. Nicht Eralp persönlich, betonte Evers, aber Teilen ihrer Partei, besonders im Bezirk Neukölln.

Wie sehr das Thema die Stadt beschäftigt, machte in der Wahlarena auch das Publikum deutlich: Ein Zuschauer versucht, während der Sendung Davidsterne an die Spitzenkandidaten zu verteilen, um auf eine Solidaritätsaktion aufmerksam zu machen, und eine Zuschauerin konfrontierte Linken-Kandidatin Eralp mit Intifada-Aufrufen eines Musikers auf einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei in Neukölln.

"Für mich ist völlig klar, dass Gewaltaufrufe inakzeptabel sind", wehrte sich Eralp, und betonte einmal mehr, dass sie jüdisches Leben in Berlin schützen wolle. "Ich glaube Ihnen, dass Sie persönlich keine antisemitische Einstellung haben", warf CDU-Politiker Evers ein. Doch was in Neukölln passiert ist, sei kein Einzelfall gewesen, und Eralp fehle offenbar die Autorität in ihrer Partei. "Da erwarte ich klare Kante, Konsequenz und Durchgriff", so Evers, "jedenfalls von jemandem, der für sich in Anspruch nimmt, in dieser Stadt an einer Regierung beteiligt zu werden."

Den erinnerungswürdigsten Moment zu dieser Debatte lieferte allerdings weder Eralp noch Evers, sondern Michael Lüders. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hatte die offizielle Nummer 2 auf ihrer Landesliste in die rbb24 Wahlarena geschickt. Der Publizist und Nahostexperte erschien mit einem markanten Anstecker am Revers seines Sakkos: Der zeigte einen Umriss des israelischen Staatsgebietes, eingefärbt wie eine Wassermelone. "Ein Symbol für den palästinensischen Widerstandswillen", erklärte Lüders.

Der Bundesverfassungsschutz ordnet es hingegen dem "säkularen propalästinensischen Extremismus" zu, weil das Bild dem Staat Israel das Existenzrecht abspreche. Kritischen Nachfragen von Moderator Sascha Hingst wich Lüders in der Sendung allerdings aus.

Sein Angebot, nach der Wahl Koalitionsgespräche mit allen zu führen, die "vernunftorientiert und ergebnisorientiert" nach Lösungen suchen, beantwortete nur SPD-Kandidat Steffen Krach. Mit einem deutlichen: Nein.

Sendung: rbb Fernsehen, 16.09.2026, 20:15 Uhr Video: rbb Fernsehen, 16.09.2026, rbb24 Wahlarena

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https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/wahlarena-berlin-100.html
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