Weißstorch oder Beethoven: Europäer reden bei neuen Banknoten mit
Weißstorch oder Beethoven Europäer reden bei neuen Banknoten mit Stand: 19.09.2026 • 05:09 Uhr
Das Design der Euroscheine ist in die Jahre gekommen. Bei der anstehenden Überarbeitung lässt die EZB die Bürgerinnen und Bürger jetzt mitreden. Noch bis Montag kann abgestimmt werden.
Mal aquarellartig mit wenigen Pinselstrichen, mal naturgetreu wie aus einem Biologiebuch, mal abstrakt mit geometrischen Formen: Über insgesamt zehn Designvorschläge für die künftigen Euroscheine können Europäerinnen und Europäer online abstimmen. Noch bis zum kommenden Montag (21. September 2026) läuft die Umfrage.
Bisher haben laut Europäischer Zentralbank rund neun Millionen Menschen teilgenommen. "Bedenkt man, dass im Euroraum rund 359 Millionen Menschen leben, scheint das erstmal wenig", sagt Nils Gerhardt, bei der Zentralbank Experte für Banknoten. Trotzdem sei das im Vergleich zu ähnlichen Umfragen dieser Art ein großer Erfolg.
Beim Start der Umfrage im Juli sagte die Chefin der Zentralbank, Christine Lagarde, bei allen Designvorschlägen gehe es im Kern um zwei große, übergeordnete Themen. Das eine sei die Natur, also Vögel und Flüsse, das andere Europas Kultur, repräsentiert durch europäische Persönlichkeiten.
"Sie sehen auf den Scheinen wichtige Berühmtheiten aus der europäischen Geschichte, zum Beispiel die Wissenschaftlerin Marie Curie auf dem 20-Euro-Schein und den Komponisten Ludwig van Beethoven auf dem 10-Euro-Schein", erklärte sie damals bei der Vorstellung der neuen Banknoten. Auf anderen Scheinen waren für Europa typische Vögel abgebildet, etwa Eisvögel und Weißstörche.
Ein Designentwurf für die neue 5-Euro-Banknote zeigt die Opernsängerin Maria Callas.
Welche Scheine schöner sind, da ist man in der Frankfurter Fußgängerzone geteilter Meinung: Der Frankfurter Straßenbahnfahrer Cem Kabakci würde sich freuen, wenn es etwa die Opernsängerin Maria Callas auf einen Schein schaffen würde: "Ich finde es wichtig, dass wir solche Persönlichkeiten unserer Jugend nahebringen." Auch andere Passanten sind für Scheine "mit Köpfen", weil sie das noch von den D-Mark-Scheinen gewohnt sind.
Die Natur-Motive sprechen ebenfalls etliche Menschen an. Einer von ihnen ist Henry Knauber, der 30-Jährige arbeitet bei der Frankfurter Senckenberggesellschaft als Tiefseebiologe. "Ich finde die Vorschläge mit den Vögeln und Flüssen besser", sagt der Tierliebhaber: "Denn die Vogelarten gibt es wirklich in ganz Europa über alle Ländergrenzen hinweg."
Auch Vögel sind nun auf den Entwürfen zu finden.
Viele dieser Passanten haben bei der Umfrage bereits mitgemacht. Während manche regelrecht begeistert sind, dass sie bei ihrem künftigen Geld mitreden können, wollen andere die alten Banknoten am liebsten behalten. Dazu zählt Shirley Lauenburger, die als Schaustellerin aus Hannover einen Geldbeutel prall gefüllt mit Scheinen dabeihat. Was derzeit darauf abgebildet ist, weiß sie nicht: "Da muss ich nachsehen", sagt die 20-Jährige und lacht: "Auf den Banknoten sind Fenster und Tore."
Bisher waren auf den Euroscheinen Fenster, Tore und Brücken zu sehen.
Fenster, Tore und Brücken, in den Baustilen verschiedener Epochen: Das ist das Design der alten Banknoten, die seit 2002 in Umlauf sind. Die Abbildungen sind frei erfunden. Auf konkrete Gebäude hat die EZB bewusst verzichtet, um kein Euroland zu bevorzugen.
Mit dieser Neutralität dürfte es vorbei sein, sollten auf die neuen Banknoten bald Berühmtheiten kommen. Wobei Banknoten-Experte Gerhardt relativiert: "Man hat mit dem Maler und Bildhauer Leonardo da Vinci zwar eine Person, die in Italien geboren wurde, die aber weit darüber hinausgewirkt hat." Das Gleiche gelte für Marie Curie, die in Polen geboren, doch ebenfalls europaweit bekannt sei.
Damit stehen diese Persönlichkeiten laut EZB sinnbildlich für Europa. Was aber haben Vögel damit zu tun? "Vögel und Flüsse kennen keine Grenzen", sagte EZB-Präsidentin Lagarde bei der Vorstellung der neuen Banknoten-Designs im Juli: "Sie symbolisieren Freiheit und Verbundenheit innerhalb Europas, auch mit der Natur."
Der neue 10-Euro-Schein könnte Ludwig van Beethoven zeigen.
Identifizieren können sich trotzdem nicht alle Europäerinnen und Europäer damit. Die 48-jährige Frankfurter Angestellte Lela Kokir ist beispielsweise skeptisch. Auch ansonsten findet sie das Design mancher Scheine ungewöhnlich. Denn nicht alle seien wie bisher im Querformat gestaltet, meint sie, sondern im Hochformat. "Aber ich glaube nicht, dass etwas, was solange Bestand hat, plötzlich Hochkant gestellt werden sollte", so Kokir.
So probiert die Zentralbank bei dem neuen Geld vieles aus, zugleich will sie dabei manche Sicherheitsmerkmale verbessern. Die Farben und Größen der Scheine will sie beibehalten, so soll etwa der Zehner rot und der Zwanziger blau bleiben.
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Das Ergebnis der Umfrage ist noch offen. Es wird dann dem Rat der EZB vorgelegt, der wird zum Ende des Jahres eine Entscheidung treffen. Es werde aber Jahre dauern, bis Verbraucher die neuen Scheine in der Hand halten könnten, heißt es bei der EZB. Auf eine konkrete Jahreszahl will man sich dabei nicht festlegen.
Hintergrund ist, dass die ersten Euro-Banknoten Anfang 2002 ausgegeben wurden. Sie sind damit fast ein Vierteljahrhundert alt. Aus Sicht der EZB sind sie damit in die Jahre gekommen, ein neues Design ist überfällig. Die neuen Scheine sollen die alten Banknoten Stück für Stück ersetzen, sie sollen dabei immer ihre Gültigkeit behalten.
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | EZB-Abstimmung über neue Euro-Banknoten | 18.09.2026 | 16:02 Uhr


